Ein Kind, das immer wusste, dass es nicht erwünscht war, tanzt ein Märchen, das niemals endet, tiefer und tiefer, bis nichts mehr bleibt als Krümel und ein sauberer Spiegel.
Es war einmal ein Kind.
Aber das Kind hatte schon immer gewusst, dass es nicht erwünscht war.
Dass seine Geburt nur ein Fehler im Gewebe war,
den niemand je korrigieren würde.
Krümel fielen wie tote Sterne ins Moos,
jeder ein Stück von dem, was nie hätte sein sollen.
Ein alter Spiegel hing im Baum,
Glas schwarz, wie verbrannte Gebete,
Rahmen aus tausendjährigem Holz, das schrie, wenn man es berührte.
Sie trat näher. Das Gesicht darin war schon fremd
zu jung für so viel Leere.
Der Wald schloss sich wie ein nasser Mund um ihren Namen.
Bäume atmeten Namen, die keiner mehr ruft,
vergisst,
verwest,
verliert.
Ein Biest mit menschlicher Aura schlich vorbei,
flüsterte in Gedanken ohne Worte:
"Ich bin der, den du einst liebtest
bevor du warst."
Die Vögel sangen rückwärts,
jeder Ton ein gelöschtes Versprechen.
Sie folgte dem Pfad, der sie nie gefragt hatte.
Sie tanzt das Märchen, das niemals endet.
Kein Ausweg, kein Erbarmen, kein neuer Anfang.
Sie tanzt und weiß. Sie weiß und zerfällt.
Je tiefer sie geht, desto leerer wird alles.
Im Herzen des Waldes stand ein Haus aus Knochen,
die Tür ein aufgerissenes Auge, randvoll mit Zähnen.
Drinnen saß die Alte, Finger aus Eis,
Augen wie die Dunkelheit selbst,
Brunnen, aus denen nichts je zurückkehrt,
wenn es einmal fiel.
"Trink," sagte sie, Stimme wie splitterndes Glas.
Der Trank war süß. Er schmeckte nach Pisse und gestern.
Jeder Schluck löschte ein Stück von ihr aus.
In ihrem Traum kamen die Spiegelkinder hervor,
Gesichter leer und viel zu alt,
Haut wie Pergament und in einer ihr unbekannten Schrift
Sie tanzten um sie, bis ihre eigene Haut durchsichtig wurde,
darunter nur weiterer Wald,
endlos und voller Gefahren.
Das Biest kehrte zurück.
Es küsste ihre Stirn.
"Jetzt bist du fertig," sagte es leise.
Und sah ihr zu, wie sie aufhörte zu existieren.
Am letzten Morgen fand man nur noch Krümel,
verstreut wie Asche eines nie entzündeten Feuers.
Keine Spur von der Alten, den Kindern, dem Mädchen.
Nur ein paar Tropfen Blut, erstarrt zu Perlen.
Der Spiegel hing wieder im Baum,
sauber, ganz, makellos.
Als hätte nie ein Kind hineingesehen.
Doch manchmal, wenn der Wind richtig steht,
Hört man ein Flüstern aus dem Glas:
"Es war einmal…"
Und dann Stille.
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