Eine nächtliche Begegnung mit dem Teufel, der kein Höllenfeuer bringt, nur ein müdes Lächeln und einen Spiegel. Die Hölle ist nicht, was danach kommt, sondern was man hinterlässt.
Hab ihn nachts vorm Kiosk geseh'n
Kurz vor eins
Glänzendes Plastik lag auf dem Boden
Er trug billigen Stoff
Einen roten Schlips
Und ein schiefes Lächeln
Er sagt
"Du wirkst, als suchst du was
Darf ich kurz bleiben?"
Er zündete sich eine Zigarette an
Der Rauch hing in der Luft
Und mir wurde übel
Sein Blick war nicht kalt
Nur endlos müde
Als hätte er nie gelernt
Wie Schlaf sich anfühlt
Das ist nicht das Böse, das man mir versprochen hat
Kein Höllenfeuer
Kein himmlischer Chor
Kein lautes Gericht
Nur ein Typ mit zu viel Ballast auf seinen Schultern
Der sagt
"Die Hölle sind nicht Flammen danach
Sondern das
Was du hinterlässt"
Er lachte kurz
"Meine größte Sünde? Zeit verschwenden"
Gab mir eine Münze
Ohne Bild
Ohne Zahl
Und meinte
"Jede Entscheidung
Wird trotzdem abgerechnet"
"Ihr schiebt's auf andere
Wenn ihr euch selbst verzockt
Oder tauscht Nähe gegen Gewohnheit
Und wundert euch, wenn es weh tut"
Seine Sätze krochen mir unter die Haut
Als hätte ich die Tür selbst geöffnet
Ich fragte
"Also lockst du
Und wir fallen?"
Er zuckte nur
"Ihr geht
Ich seh nur zu"
"Ich halt euch nicht fest
Zeige nur den Eingang
Den Rest macht ihr von selbst"
Sein Umriss lag lang auf dem Asphalt
Und sah aus wie meiner
Gleiche Kanten
Gleiche Leere
Er flüsterte
"Ich bin kein Richter
Ich bin nur das Spiegelbild
Du hast entschieden
Was ich bin"